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Einbruch an den Finanzmärkten

Das Anlagejahr 2022 war in der ersten Hälfte sehr herausfordernd. Zu den dominierenden Themen gehören der Krieg in der Ukraine, die gestiegene Inflation und die straffere Geldpolitik der Zentralbanken. Verstärkt in den Fokus der Marktteilnehmenden sind auch Sorgen um eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums geraten. In diesem Umfeld sind die Finanzmärkte weltweit Turbulenzen ausgesetzt. An den internationalen Börsen haben nicht nur risikobehaftete Anlageklassen wie Aktien deutlich an Wert verloren. Der starke Anstieg der Zinsen führte auch bei den Obligationen zu Kursverlusten.

Andrea Seifert, Direktor und Leiter Anlageausschuss, und Jan Burkhardt, Leiter Kapitalanlagen, geben im Interview einen Einblick in die Massnahmen der PKGR.

Wie ist die PKGR betroffen?

Jan Burkhardt, Leiter Kapitalanlagen: Das Gesamtvermögen hat in der ersten Jahreshälfte rund 8 % an Wert verloren. Aktienanlagen verzeichneten die grössten Kursverluste (-18 %) gefolgt von Unternehmensanleihen (-12 %) und Obligationen CHF (-10 %). Immobilien, Hypotheken, Infrastruktur und Liquidität – sie machen zusammen rund 41 % des Gesamtvermögens der PKGR aus – entwickelten sich stabil und haben ihren Wert behalten.

Kann die PKGR solche Kursverluste verkraften?

Andrea Seifert, Direktor: Ja, diese Rückschläge können wir verkraften. Wir konnten die ertragsreichen letzten Jahre nutzen, um die notwendigen Wertschwankungsreserven zu bilden. Diese erreichten Ende 2021 ihre Zielgrösse von 15 % der Vorsorgeverpflichtungen. Das sind über 450 Millionen Franken. Die aktuelle Börsenbaisse hat das Polster zwar deutlich reduziert. Dank der vorhandenen «Stossdämpfer» liegt der Deckungsgrad aber immer noch bei über 112 Prozent. Wichtig zu erwähnen ist auch, dass die Pensionskasse Graubünden mit dem angepassten Pensionskassengesetz und der neuen Struktur als Sammeleinrichtung ihre Stabilität und ihre Risikofähigkeit nochmals stark verbessern konnte.

Warum hat die PKGR nicht früher reagiert und die Verluste verhindert?

Jan Burkhardt: Wir wissen, dass es sporadisch zu Einbrüchen an den Finanzmärkten kommt. Aber niemand kann den Zeitpunkt prognostizieren. Es gibt zwar einige, die das von sich behaupten. Ihr Leistungsausweis hält einer Analyse in der Regel aber nicht stand. Die PKGR verfolgt eine langfristige Anlagestrategie. Das Vermögen ist so auf liquide Mittel, Obligationen, Aktien, Immobilien und Infrastrukturanlagen verteilt, dass die erwarteten Erträge ausreichen, um die versprochenen Leistungen zu finanzieren. Dafür braucht die PKGR jährliche Erträge von rund 2 Prozent. Um diese nachhaltig zu erzielen, muss ein grosser Teil des Vermögens in Aktien, Obligationen und Immobilien investiert werden.

Was wird die PKGR nun unternehmen?

Jan Burkhardt: Die Anlagestrategie wurde bewusst so gewählt, dass wir auch in schlechten Börsenjahren daran festhalten können. Auf einen Einbruch folgt immer eine Erholung. Wir wissen nicht, wann die Talsohle erreicht ist, wann die Erholung beginnt und wie sie verläuft. Aber eines ist sicher: Wir halten an der Strategie fest.

Wie steht die PKGR im Vergleich zu anderen Pensionskassen da?

Andrea Seifert: Im Durchschnitt haben die Anlagen einer Schweizer Pensionskasse im ersten Halbjahr mehr als 9 % an Wert eingebüsst. Die PKGR hat sich mit einer Gesamtrendite von -8 % besser entwickelt. Die PKGR profitiert in solchen Phasen insbesondere vom vergleichsweise höheren Anteil an Immobilienanlagen. Unsere über 1200 Wohnungen sind komplett vermietet. Zusammen mit unseren übrigen Liegenschaften sorgen sie für stabile Erträge.

Sind steigende Zinsen gut oder schlecht für die Pensionskasse?

Jan Burkhardt: Ein Zinsanstieg wirkt sich auf verschiedenen Ebenen auf eine Pensionskasse aus, sowohl auf die Vermögen als auch die Verpflichtungen. Insgesamt ist ein höheres Zinsniveau gut für eine Pensionskasse. Mit höheren Zinsen steigen die Renditen von Obligationen, was es langfristig vereinfacht, die Sollrendite zu erreichen. Kurzfristig führt ein Zinsanstieg zu tieferen Buchwerten bei Obligationen und belastet damit den Deckungsgrad der Pensionskasse. Auf der anderen Seite sinken mit höheren Zinsen die Bewertungen der Vorsorgeverpflichtungen, was sich stabilisierend auswirkt.